Donnerstag, 7. September 2017

Lectura 36 - Gunther Plüschow y la "Feuerland"




                                                                 Gunther Plüschow y la « Feuerland »

Gunther Plüschow (08. Februar 1886 – 28. Januar 1931). Erste Berühmtheit erreichte der in München geborene Gunther Plüschow in den Jahren 1914/15 nach seiner abenteuerlichen Flucht mit einer „Rumpler Taube“ aus der belagerten Festung der deutschen Handelskolonie Tsingtau in China. Während einer Expedition nach Südamerika überflogen ab 1928 Gunther Plüschow und sein Begleiter Ernst Dreblow erstmals Kap Horn, die Darwin-Kordilleren, das patagonische Inlandeis und den Torres del Paine. Sie brachten von ihren Flügen zum ersten Mal Fotos und Filmmaterial von diesen bis dahin unerforschten Gegenden des südlichsten Teils Südamerikas mit. Bei ihrer zweiten Expedition 1931 verunglückten Plüschow und Dreblow tödlich beim Absturz ihres Flugzeugs in Patagonien.

Gunther Plüschow – 8 de febrero de 1886 – 28 de enero de 1931 – vio alborear su fama en los años de la primera guerra mundial después de su escape con un avioncito “Rumpler Taube” de la asediada fortaleza de Tsingtau, en China. En otra etapa de su vida (1928) sobrevoló con Ernst Dreblow por primera vez el Cabo de Hornos, la cordillera de Darwin, los glaciares patagónicos y las Torres del Paine. Regresaron con fotografías y material fílmico. En su segunda expedición, año de 1931, fallecieron al caer su aparato en un brazo del lago Argentino.



De su primer vuelo trajeron imágenes retransmitidas en 2001 por el 2º canal de la TV alemana ZDF, que integran el video ubicado en Youtube https://www.youtube.com/watch?v=k3FYJBUshSg y que tuvo el siguiente comentario periodístico:

Die Dokumentation "Silberkondor über Feuerland" von Gunther Plüschow liefert einmalige Flugaufnahmen der ersten Flugexpedition über Feuerland und Südpatagonien. ZDF.doku strahlt den gesamten Film in vier Teilen zusammen mit einer exklusiven Kurzdokumentation über den legendären Pionier Gunther Plüschow, der seine Liebe zu Feuerland mit dem Leben bezahlen sollte, und ein Interview mit Sohn Guntolf Plüschow aus.  Der erste Teil beschreibt die erste Etappe der Reise: vom Stapellauf des Schiffes "Feuerland", der winterlichen Atlantiküberfahrt bis zum Passieren des Äquators mit dem Seemanns-Ritual "Neptun's Taufe" und der langersehnten Ankunft in Brasilien. Im zweiten Teil geht es weiter von Brasilien nach Argentinien. Im dritten Teil steigt der "Silberkondor" in die Lüfte. Der vierte Teil zeigt Bilder der letzten, inzwischen ausgestorbenen Ureinwohner Feuerlands. Aufgrund des plötzlichen Wintereinbruchs endete Plüschows Expedition in Südpatagonien mit der Erstüberfliegung der Gipfel des Cerro Payne. 1929 wurde im Berliner UFA-Palast im Beisein von Reichspräsident von Hindenburg der Film "Silberkondor über Feuerland" uraufgeführt. Gunther Plüschows zweistündiger Dokumentarfilm war eine Sensation. Allen geschichtlichen Wirren zum Trotz ist dieser Film vollständig erhalten und seine Bilder sind auch für den heutigen Zuschauer von enormer Intensität.

Datos adicionales :  Monografía escrita por Roberto Litvatchkes  http://www.monografias.com/trabajos38/historia-de-pluschow/historia-de-pluschow.shtml

Video en castellano https://www.youtube.com/watch?v=OXvYzEUq0MY documental y narración
 Datos  http://www.br.de/radio/bayern2/bayern/land-und-leute/gunther-plueschow-flugpionier-schreiber100.html -y- http://www.schiffshistorisches-archiv.de/schiffsdetails.html?&tx_wfqbe_pi1[id]=1469                                                        escenas filmadas http://atlantis-film.de/blog/todesflug-in-feuerland  y https://www.facebook.com/Denkmalschiff                                                                             Datos en alemán http://www.cluberlin.com.ar/Nach%20Feuerland.pdf

Imágenes del libro “Silberkondor über Feuerland” https://www.youtube.com/watch?v=1Bwf5yHToQg

Leer y traducir:
Im November 1927, am Hafen von Büsum in Deutschland, stach Gunther Plüschow in See, ein Seemann, Autor, Dokumentalist und Pionier der Deutschen Luftfahrt, mit der Absicht, sich einen alten Kindheitstraum zu erfüllen. Ein Traum, der entstanden ist, als der zehnjährige Junge auf einer alten Postkarte, die er gefunden hatte, das Bild eines geankerten Schiffes an irgend einem Ort der fernen Küsten Feuerlands bewunderte. Mit einem kleinen Schoner von sechzehn Metern Länge brach der unerschrockene Plüschow auf die lange Überquerung des Atlantischen Ozeans auf, in Richtung seines ersehnten Ziels, Feuerland. Auf einem anderen Schiff schickte er ein Wasser-Flugzeug nach, welches er in Punta Arenas stationierte. Damit überflog er die Region und nahm die ersten Luftbilder davon auf, welche später die ganze Welt erstaunen sollten.
Im eisigen Rico-See zu Füßen des Gletschers Perito Moreno endete sein letzter Flug. Gunther Plüschow ertrank am 28. Januar 1931, als sein "Silberkondor" wegen eines technischen Defektes abstürzte. Der 1886 geborene Münchner, der mit 10 Jahren als Kadett in den Dienst der Kaiserlichen Flotte eintrat, hatte ein abenteuerliches Leben hinter sich.

"Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau"

Zunächst Leutnant auf einem Kriegsschiff  kam Gunther Plüschow nach seiner Ausbildung zum Militärflieger in die deutsche Festung Tsingtau nach China. Wie er sich dort heldenhaft bewährte und mit einer halsbrecherischen Flucht über Japan, USA, Gibraltar und Holland das eigene Leben rettete, erzählte er in seinem 1916 veröffentlichten Buch "Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau". Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Gunther Plüschow eine aberwitzige Flucht aus China gelungen. Sie lieferte die steile Vorlage für sein weiteres Leben. In der deutschen Kolonie Kiautschou stationiert und dort als einziger Pilot für Aufklärungsflüge zuständig, flog der Soldat damals mit einer "Taube" der Firma Rumpler aus dem belagerten Tsingtau, kurz bevor die Japaner die Stadt einnahmen. Unter falschem Namen kam er per Zug und Schiff über Shanghai, San Francisco und New York bis nach Gibraltar, wo er dann allerdings für einige Monate in englische Kriegsgefangenschaft geriet.
Plüschow konnte aus dem Gefangenenlager Donington Hall in Derbyshire glücklich entkommen. Unter großen Strapazen ging es weiter als blinder Passagier, von London nach Holland und dann heim ins Kaiserreich, wo man über das Heldenstück des 29-jährigen Soldaten jubelte. Der „Flieger von Tsingtau“ war geboren: ein berühmter Mann.


 la “Penelope” : Am Heck steht der Name "Feuerland" und als Heimathafen Büsum. Der Kutter, der gestern in den Museumshafen Oevelgönne einlief, hat schon bessere Tage gesehen. Es ist dem Schiff nicht anzusehen, daß es in den 20er Jahren dazu beitrug, ein Stück Fliegereigeschichte zu schreiben. Einst gehörte es dem damals bekannten Flieger Gunther Plüschow, der es als schwimmende Basis benutzte, um von dort aus mit einem Wasserflugzeug die Region Feuerland zu erforschen. Sein Buch "Silberkondor über Feuerland" und der gleichnamige Film machten ihn zum Fliegerhelden jener Zeit.
Bernd Buchner, der beim Einlaufen der "Feuerland" am Steuer stand, hat das Schiff auf den Falklandinseln entdeckt, als er Nautiker auf Expeditions-Kreuzfahrtschiffen in Südamerika war. "Für den Flieger Plüschow hatte ich mich während Fahrten in der Region Feuerland interessiert und auch sein Buch dabei. Ich hatte gehört, sein ehemaliges Expeditionsschiff würde noch existieren. Als ich eines Tages auf den Falklandinseln einen Büsumer Kutter entdeckte, ahnte ich, was ich vor mir hatte. Ich verglich das Schiff mit Bildern im Buch und war mir sicher", so Buchner.

Gunther Plüschow hatte das in Büsum gebaute Schiff 1929 verkauft, als sein Geld nicht mehr ausreichte, die Expedition fortzusetzen. Als "Penelope" fuhr es unter verschiedenen Eignern, wurde von der argentinischen Regierung für den Falklandkrieg requiriert und blieb auf der Inselgruppe im Südatlantik. Buchner machte dem Eigner ein Kaufangebot. Der war bereit, es abzugeben, wenn er einen gleichwertigen Ersatz erhalten würde, denn der brauchte das Schiff, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nachdem Buchner ein solches Schiff aufgetrieben hatte, übernahm er die "Penelope", nannte sie wieder "Feuerland", segelte sie mit einer fünfköpfigen Crew auf dem Südatlantik bis Buenos Aires. Dort übernahm das Containerschiff "Monte Cervantes" der Reederei Hamburg Süd den Kutter als Deckslast, brachte ihn nach Hamburg. Eigner Buchner will das Schiff Anfang August nach Büsum fahren, es in den ursprünglichen Zustand versetzen und als Traditionsschiff in den Museumshafen der Stadt legen. Dort war das Schiff im Auftrag von Plüschow 1927 nach Vorbild der seetüchtigen Fischkutter gebaut und als Expeditionsschiff konzipiert worden. An Bord gab es sogar eine Werkstatt, um das Flugzeug zu warten.



der Silberkondor






„Nirgends wieder auf der Erde gibt es diesen Zusammenklang wie hier im Feuerland und etwas nördlicher in Patagonien, es ist eine einzige ungeheure Symphonie von tiefstem Schweigen , ungeheuren Eis- und Gletschermassen , grünen , schier undurchdringlichen Wäldern , blauem Meer, düsteren Kanälen , blau- grün- weiß schimmernden und schwimmenden Eisblöcken , steile aus der Flut bis zu fast dreitausend Meter emporragenden Bergen , deren Gipfel aus einem einzigen Stück Eis bestehen , um die aber fast immer Wolken wallen . “ Mit diesen leidenschaftlichen Worten beschreibt der Deutsche Gunther Plüschow in seinem 1929 erschienen Buch „Silberkondor über Feuerland “  die Landschaft am Ende der Welt. Er erzählt die abenteuerliche Reise mit einem 16 Meter langen Forschungsschiff von Deutschland nach Punta Arenas und über seine Expeditionen von hier aus mit Schiff und Flugzeug aus nach Ushuaia, Kap Horn und zum Torres del Paine. Dieses Buch wurde in Deutschland und in vielen Ländern der Welt von Hunderttausenden gelesen, der gleichnamige Film von unzähligen Menschen gesehen. Buch und Film brachten nicht nur die beeindruckenden Naturbeschreibungen von Feuerland und Patagonien in das ferne Europe, zum ersten Mal waren Bilder von der überwältigenden Schönheit der Landschaft aus der Luft zu sehen. Und es wurden Geschichten erzählt von den hier lebenden liebenswürdigen und hilfsbereiten Menschen, die den mutigen Plüschow, wo immer sie konnten, bei seinen Expeditionen unterstützen. Wer war dieser Mann, der 1927 im Alter von 41 Jahren von Deutschland aus aufbrach, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen: eine Reise nach Feuerland und Patagonien. Was bewog ihn, seine Heimat zu verlassen und sich auf eine gefährliche, abenteuerliche und sehr lange Expedition an das ( aus europäischer Sicht ) Ende der Welt zu begeben? Gunther Plüschow wurde am 08. Februar 1886 in München geboren, zunächst zog seine Familie für einige Jahre nach Rom. Ab 1895 wohnten die Plüschows wieder in Mecklenburg, im Nordosten Deutschlands; sie waren entfernt verwandt mit einem mecklenburgischen Großherzog. Der Vater übernahm eine Stelle als Konservator im Museum der mecklenburgischen Landeshauptstadt Schwerin. Inmitten dieser weiten und flachen Landschaft nahe der Ostsee erlebte der kleine Gunther unbeschwerte Jahre. Er lernte Reiten und Segeln und lauschte gespannt den Erzählungen eines pensionierten Kapitäns, einem Freund der Familie. Diese Geschichten weckten seine Sehnsucht nach fernen Länder und Abenteuern. Im Alter von 10 Jahren beginnt Plüschow eine militärische Ausbildung an einer Kadettenanstalt. Dabei fühlt er sich seiner „ köstlichen Freiheit beraubt “ und sehnt sich „stark aus den Mauern und Gittern dieses Gefängnisses “  heraus. Ein Bild, auf dem ein Schiff vor einem feuerländischen Gletscher zu sehen ist, weckt seine Phantasie. Er betrachtet es oft und fängt an von diesem so schönen und fernen Land zu träumen. Nach dem Abschluss an der Kadettenanstalt beginnt er eine Offiziersausbildung. Interessiert an neuer Technik, bewirbt er sich im Sommer 1914 um eine Ausbildung zum Flugzeugführer, besteht nach nur 4 Tagen die Prüfung und versieht von nun an als Flieger seinen Dienst in der deutschen kaiserlichen Marine. Sein erstes Kommando führt ihn in die Festung Tsingtau der deutschen Handelskolonie Kiautschou (China). Als japanische Truppen die Festung zu Beginn des 1. Weltkrieges belagern, gelingt ihm im November 1914 mit seinem Flugzeug der Aufsehen erregende Ausbruch aus der Stadt. Nach neunmonatiger spektakulärer Flucht durch China, die USA und England trifft er im Juli 1915 in Deutschland ein. Ein Jahr später erschien sein erstes Buch "Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau“, welches eine Auflage von über 700.000 Exemplaren erreicht. Unter diesem „ Titel “ wurde Plüschow in ganz Deutschland bekannt. In den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegs – und Inflationsjahren von 1918 bis 1924 übt Plüschow eine Reihe sehr unterschiedlicher Tätigkeiten aus: Depeschen – und Zeitungsflieger, Reporter, Kinoansager, Autoverkäufer, Motorrad-Weltrekordfahrer und Handlungsreisender in Sachen Stahl. Es war für Plüschow in dieser Zeit nicht immer leicht, seine Frau und seinen Sohn ( geb. 1918 ) zu versorgen. Dann , endlich , 1925 ein Neuanfang. Plüschow macht das Patent zum Kapitän auf Große Fahrt und bereist das Mittelmeer .Auf einer dieser Reisen lernt er einen Reeder kennen, der ihm anbietet, auf einem Segelschiff nach Südamerika zu fahren. Begeistert nimmt Plüschow diesen Vorschlag an, denn damit ist er seinem Traumland ein ganzes Stück näher gekommen. Bis 1926 segelt er mit der Viermastbark „Parma “ um Kap Hoorn und an die Küsten Chiles. Und er beschreibt auch dieses Abenteuer in einem Buch, „ Segelfahrt ins Wunderland “, veröffentlicht einen Film, hält Vorträge über Südamerika und lernt so Menschen kennen, die ihn bei der Realisierung seines großen Traumes unterstützen können und werden: einer Expedition nach Feuerland. Schon lange hat Plüschow von diesem stürmischen, südlichsten Teil der Erde geträumt. Im November 1927 ist es dann soweit, die zurückliegenden Mühen und Rückschläge sind vergessen, Förderer wurden gefunden und Spenden entgegengenommen. Ein zum Forschungsschiff modifizierter Fischkutter und ein stoffbespannter Doppeldecker sind bereit für das bisher größte Abenteuer des Kapitän Plüschow, einer Reise an das Ende der Welt. Und der Name seines Schiffes ist zugleich das Ziel: FEUERLAND. In seiner Mannschaft, mit der er diese lange, anstrengende und gefährliche Fahrt in Richtung Kap Horn und um Feuerland wagen will, sind auch der Steuermann Paul Christiansen und Ernst Dreblow, ein 34 jährigen Flugzeugingenieur. Plüschow trifft mit Schiff und Besatzung im Oktober 1928 in Punta Arenas ein. Zur Erfüllung des Vertrages mit dem berliner Ullstein Verlag, dem wichtigsten Sponsor der Expedition, besuchte er zuvor deutsche Siedler und Eingeborene im brasilianischen Urwald, filmte und schrieb Reportagen. In bewegenden Worten beschreibt Gunther Plüschow auf einer Erkundungsfahrt durch die feuerländischen Kanäle seine erste Begegnung mit dem Land seiner Sehnsucht: „ Die Sonne lässt auch alles in so wunderbaren , so märchenhaft schönen Farben leuchten und spielen , mit ganzer Wucht überfällt mich dazu die Stille…..als beträte ich einen mächtigen Dom …. dies ist mein Feuerland, dies ist mein Traum“.  Bis Dezember 1928 bauen dann Plüschow und sein Flugzeugmechaniker auf der Gelände der Werft von Braun y Blanchard in Punta Arenas den bis dahin in Kisten verpackten Heinkel – Doppeldecker von Typ HD 24 W erfolgreich zusammen. Voller Freude fliegt Plüschow anschließend eine Ehrenrunde über der Stadt. Der erste große Flug geht in das argentinische Ushuaia, mit an Bord ist ein Postsack: die erste Luftpost von Punta Arenas nach Ushuaia. 

Monumento a Plüschow en la Patagonia argentina

In den folgenden Monaten überflogen der Pilot Plüschow und der Bordingenieur Ernst Dreblow als erste Menschen die Darwin-Kordillere auf der großen Feuerlandinsel, das Kap Hoorn und die Torres del Paine in Patagonien. Sie waren fasziniert von der überwältigenden Schönheit des patagonischen Inlandeises und brachten von ihren Flügen, oft unter Lebensgefahr, zum ersten Mal Fotos und Filmmaterial von diesen bis dahin unerforschten Gegenden Südamerikas mit. Nach seiner Rückkehr aus dem tiefsten Süden dieser Erde im Jahre 1929 veröffentlicht der mittlerweile in deutschen Hauptstadt Berlin wohnende Plüschow ein weiteres Buch: „Silberkondor über Feuerland » . Sein gleichnamiger Film wird ein großer Erfolg. Das Publikum ist begeistert von den beeindruckenden Landschaften und den noch nie zuvor gesehenen, sensationellen Luftaufnahmen der vereisten Gipfel Feuerlands. Das Buch wird mehrere hunderttausend Mal verkauft und vermittelt vielen Lesern in Europa erstmalig ein Bild von den Menschen und der Landschaft Feuerlands und Patagoniens. Plüschow reist mit Film und Buch durch ganz Deutschland. Er hält Vorträge und wirbt bei Vertretern der deutschen Industrie und der Regierung um Unterstützung für eine weitere Reise nach Südamerika. Im Juli 1930 bricht der Feuerlandflieger erneut in Richtung Südamerika auf. Nur begleitet von Flugzeugingenieur Dreblow will er die Andenkordilleren nordwärts bis El Calafate in der argentinischen Provinz Santa Cruz befliegen, um letzte weiße Flecken von der Landkarte zu tilgen und Filmaufnahmen von dem Gletscher Perito Moreno drehen. Es wird ihre letzte gemeinsame große Reise. Am 28. Januar 1931, gegen 5.00 Uhr Südzeit, stürzt der Heinkel Doppeldecker mit der Kennung „Tsingtau D 1313 “, genannt SILBERKONDOR, aufgrund eines technischen Defektes in die eisigen Fluten des Rico – Sees, unweit des Perito – Moreno Gletschers. Die sterblichen Überreste der beiden Flugpioniere werden in ihre Heimat überführt und unter großer Anteilnahme der Medien, der Reichsregierung und der berliner Bevölkerung auf dem Friedhof in Berlin – Lichterfelde beigesetzt. Gunther Plüschow liebte die Landschaft und die Menschen am Ende der Welt leidenschaftlich, und mit großer Energie gelang es ihm, auch gegen Widerstände, seine Träume zu verwirklichen. Er ergriff die Initiative und bewältigte mit unbändiger Energie und Willenskraft schier unlösbare Probleme. Gunther Plüschow war bereit für seine Ideen und Ziele Risiken einzugehen, dabei schreckte er nicht vor Hindernissen zurück und ging oft bis an die Grenze des Machbaren. Er war in der Lage, Menschen für seine Visionen zu begeistern und sie für die Durchsetzung seiner Pläne zu gewinnen. In beeindruckender Weise vollzog er die Entwicklung vom „Flieger von Tsingtau “ zum Schriftsteller, Forscher, Entdecker und Filmemacher. Gunther Plüschows beispielhaftes Handeln ist deshalb eine bedeutende Episode in der traditions- und facettenreichen gemeinsamen Geschichte von Chile und Deutschland. Mit einen fliegerischen Leistungen war er ein Vorbild für viele junge Menschen die nach ihm im äußersten Süden Flugzeuge durch die unberechenbaren Winde steuerten , ganz so, wie er es in seinem Buch schrieb: „ Denn mit unserem Fluge haben wir den Bann gebrochen, nun werden andere, Jüngere, namentlich Söhne der beiden großen Länder Chile und Argentinien, kommen. Wir wollen und können nicht mehr als Bahnbrecher sein, den Grundstein legen für späteren Luftverkehr.“  - Gerhard H. Ehlers ; Odenthal , Alemania ; Dezember 2006.-

Nota: encontrará la primera parte de este aporte en el blog kalais, clicando el link  Apuntes para Gunther Plüschow -on septiembre 9, 2017 o en  https://reyaller.wordpress.com/2017/09/09/apuntes-para-gunther-plueschow

Dienstag, 5. September 2017

Lect. 35 - Deutscher Wortschatz im Duden



September
 
Der schon mittelhochdeutsch bezeugte Name für den neunten Monat des Jahres, der im Althochdeutschen witumānōt „Holzmonat“ (zu althochdeutsch witu „Brennholz“) und später herbistmānōt „Herbstmonat“ genannt wurde, ist aus lateinisch (mensis) September entlehnt, dem lateinisch septem „sieben“ (verwandt mit deutsch sieben) zugrunde liegt. Im altrömischen Kalenderjahr, das mit dem Monat März begann, war der September der „siebte Monat“. Dieser Name wurde auch nach der Kalenderreform beibehalten.

Warum erscheint jetzt ein neuer Duden?
Kunkel-Razum: 


Der Rechtschreibduden erscheint alle drei bis fünf Jahre in einer neuen Auflage. Manchmal sind rechtschreibliche Änderungen der Grund, wie sie vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagen und von der Kultusministerkonferenz bestätigt werden. Manchmal sind es auch „nur“ die Veränderungen im Wortschatz, die wir dokumentieren möchten. Diesmal liegen beide Gründe vor. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in seinem Bericht vom Dezember 2016 vorgeschlagen, das große ß (ẞ) einzuführen und bei einigen Fügungen aus Adjektiv und Substantiv auch die Großschreibung des Adjektivs als Variante zuzulassen. Man kann jetzt z. B. Alles Gute zum neuen oder zum Neuen Jahr schreiben. Die Kultusminister haben diesen Vorschlägen im Juni 2017 zugestimmt. Hinzu kommen aber natürlich die Wortschatzentwicklungen der letzten vier Jahre, also seit dem Erscheinen der letzten Auflage. Diese haben wir genau beobachtet, akribisch ausgewertet und nun dokumentiert.
 
Welche neuen Wörter haben es in den Duden geschafft?
Kunkel-Razum: 
Insgesamt haben wir 5000 neue Wörter aufgenommen. Dazu gehören z. B. Brexit, Fake News oder Hasskriminalität. Das Wort des Jahres 2016 postfaktisch ist ebenso enthalten wie das über die Region Berlin hinaus bekannte Personalpronomen icke.


Wie wählen Sie neue Wörter aus?
Kunkel-Razum:
In den Rechtschreibduden werden Wörter aufgenommen, wenn sie gebräuchlich sind. Das heißt: Sie müssen in unserer elektronischen Textsammlung, die mehr als vier Milliarden Wortformen umfasst, häufig vorkommen. Sie müssen dabei aber auch in unterschiedlichen Quellen wie Zeitungen, Büchern etc. nachweisbar sein und über einen gewissen Zeitraum auftreten – es dürfen keine Eintagsfliegen sein. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, entscheidet die Dudenredaktion aus ihrer Erfahrung heraus und nach ihrem Fach- und Weltwissen über die Aufnahme ins Wörterbuch.


Partizipien als Attribute
 

Das Partizip II (eingebildet, angekommen, zugezogen) lässt sich zwar grundsätzlich aus allen Vollverben bilden, es kann aber nicht immer attributiv, also als Attribut zu einem Nomen, verwendet werden.
Attributiv verwenden lassen sich vor allem die Partizipien transitiver, d. h. durch ein Akkusativobjekt ergänzbarer Verben (die gestohlene Uhr, das gelobte Land) sowie intransitiver Verben, die das Perfekt mit sein bilden und zudem ausdrücken, dass ein Vorgang abgeschlossen ist (der zerbrochene Krug, der entkommene Sträfling).
Formulierungen wie das sich im Krieg zugezogene Leiden, der im See geschwommene Mann gelten hingegen als grammatisch nicht korrekt.
Auch bei der Verwendung von Partizipialgruppen ist manchmal Vorsicht geboten: Da solche Konstruktionen kein eigenes Subjekt haben, werden sie grundsätzlich auf den übergeordneten Satz bezogen, der Bezug sollte also eindeutig sein. Klassiker wie Mit eisgekühltem Champagner gefüllt, überreichte sie ihrem Gatten den kostbaren Kelchoder Vom Dach herunterfliegend, sah er der Krähe lange nach sind natürlich missverständlich und sorgen für unfreiwillige Komik.



Fuente: Duden Verlag - Bundesrepublik Deutschland


Neues Eszet oder scharfes S = ß  zwischen Versalien 



Das scharfe s oder auch Eszett gibt es nur im Deutschen. Und auch dort war es immer ein Kuriosum. Die seltsamste seiner Eigenschaften war, dass es im Gegensatz zu sämtlichen anderen Buchstaben nur als Kleinbuchstabe existierte. Das störte nicht sehr, da es nie am Anfang eines Worts steht. Doch was, wenn ein Wort oder ein Name mit einem ß darin in Versalien geschrieben wird? Es gab nur zwei Lösungen: Man benützte den Klein- unter lauter Großbuchstaben - oder löste das ß in SS auf.
Nach Beschluss des Rats für deutsche Rechtschreibung gibt es nun das "scharfe S" (Eszett) auch als Großbuchstaben. Es sieht aus wie ein Mittelding zwischen dem bisherigen kleingeschriebenen "ß" und einem großgeschrieben B. Vor allem für die korrekte Schreibung von Eigennamen in Pässen und Ausweisen sei das wichtig, teilte der Rat am Donnerstag mit. Bisher hatten zum Beispiel Menschen mit dem Nachnamen Oßner ein Problem: Wenn in einem Ausweisdokument wegen der Großschreibung der Buchstaben anstelle des "ß" ein Doppel-"S" steht, ist unklar, ob sie "Ossner" oder "Oßner" heißen. Ketschup ist jetzt wieder falsch Darüber hinaus ist künftig auch die Großschreibung des Adjektivs in Fällen wie "Goldene Hochzeit" und "Neues Jahr" zulässig... Darüber hinaus passte der Rechtschreibrat einzelne Wortschreibungen an den weit überwiegenden Schreibgebrauch an. Er strich zum Beispiel die eingedeutschte Schreibweise "Ketschup", die kaum verwendet wurde – zulässig ist jetzt nur noch Ketchup. Auch andere ungebräuchliche Varianten fallen weg, müssen also etwa bei Schuldiktaten als Fehler angestrichen werden. Zum Beispiel "Grislibär" (amtlich erlaubt ist nur noch Grizzlybär), "Joga" (nur noch: Yoga), "Komplice" (Komplize), "Roulett" (Roulette), "Varietee" (Varieté), "Wandalismus" (Vandalismus).  Die Rechtschreibreform von 1996 hatte zu leidenschaftlichen Debatten geführt. Jahrelang tobte ein Streit um die richtige Schreibweise von Delfin oder Delphin, Fuss oder Fuß, Schifffahrt oder Schiffahrt. Der daraufhin eingesetzte Rechtschreibrat suchte nach Kompromisslösungen und sollte dafür sorgen, dass der "Sprachfrieden" wiederhergestellt wird. Seit 2004 ist der Rat die maßgebliche Instanz in Fragen der Orthografie. Er hat Mitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Fürstentum Liechtenstein, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Die deutsche Kultusministerkonferenz und die staatlichen Stellen der anderen Länder bestätigten die neuen Änderungen, die der Rat beschlossen hat, und machten sie damit wirksam. 
(Rat für deutsche Rechtsschreibung, info  http://www.rechtschreibrat.com/der-rat/arbeitsgrundlagen)

Montag, 4. September 2017

Lectura 34 - Wahlsystem in Deutschland (2)



Nach welchem Prinzip wird der Bundestag gewählt?

Der deutsche Bundestag wird nach dem Prinzip der "personalisierten Verhältniswahl" gewählt.
Jede Wählerin und jeder Wähler hat dabei zwei Stimmen:
Erststimme: 
Mit der Erststimme bestimmen Wähler/-innen, welcher Direktkandidat einen bestimmten Wahlkreis im Bundestag vertritt – einfacher gesagt, wer für sie nach Berlin geht. Dabei gilt das Prinzip: Wer die meisten Erststimmen in einem der 299 Wahlkreise erhalten hat, zieht in den Bundestag ein (relative Mehrheitswahl).
Zweitstimme: 
Ihre Zweitstimme geben Wähler/-innen für die Landesliste einer Partei ab. Wenn beispielsweise Partei A bundesweit 20 Prozent der Zweitstimmen erhalten hat, stehen ihr 20 Prozent der Sitze im Bundestag zu.
Momentan besteht der Bundestag aus (mindestens) 598 Abgeordneten. Davon werden 299 direkt in den Wahlkreisen gewählt. Die übrigen 299 werden über die Landeslisten der Parteien gewählt. Entscheidend für die Zusammensetzung des Bundestages sind jedoch die Zweitstimmen-Anteile der einzelnen Parteien.



Was ist wichtiger: die Erst- oder die Zweitstimme?
Die Zweitstimme entscheidet über die Zusammensetzung des Bundestages. Falls eine Partei 20 Prozent der Zweitstimmen erhalten hat, stehen ihr 20 Prozent der Parlamentssitze zu. Der Anteil einer Partei im Parlament ist also unabhängig von der Zahl der Erststimmen.Rechnerisch ist die Zweitstimme daher wichtiger als die Erststimme. 
Doch auch die Erststimme hat eine wichtige Funktion: Sie soll dafür sorgen, dass es eine engere Verbindung zwischen den Wähler/-innen eines bestimmten Wahlkreises und "ihrem" Bundestagsabgeordneten in Berlin gibt. Wenn der Bundestag gerade nicht tagt, sind Bundestagsabgeordnete häufig in ihrem Wahlkreis unterwegs und beschäftigen sich mit den Problemen vor Ort. Dadurch sollen die Abgeordneten in Berlin die Verbindung zu den Wähler/-innen nicht verlieren.

Was sind Überhangmandate?

Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei A bei den Bundestagswahlen in einem Bundesland viele Direktmandate durch Erststimmen gewinnt, ihr nach dem Zweitstimmenergebnis aber weniger Sitze zustehen.
Jeder siegreiche Wahlkreiskandidat darf aber in den Bundestag einziehen. Dadurch entstehen Überhangmandate. Sie dienen dazu, dass jede gewählte Person sicher einen Sitz bekommt. Überhangmandate können in Wahlsystemen auftreten, die auf einer durch Direktwahl in Wahlkreisen personalisierten Verhältniswahl beruhen. Wenn in einem solchen Wahlsystem eine Partei in den Wahlkreisen mehr Mandate erringt, als ihr gemäß dem Ergebnis der Verhältniswahl zustehen würden, erhält diese Partei so viele Überhangmandate wie sie Direktmandate mehr hat, als ihr Sitze nach der Verhältniswahl eigentlich zustehen.
Im Bundestagswahlrecht in Deutschland bedeutet das: Überhangmandate werden vergeben, wenn eine Partei mehr Direktmandate durch Erststimmen in einem Bundesland erringt, als ihr gemäß dem Zweitstimmenergebnis in diesem Bundesland zustehen würden.
 Das Zweitstimmenergebnis bildet  die Zusammensetzung des Bundestages ab. Wenn eine Partei bundesweit 20 Prozent der Zweitstimmen erhält, dann stehen ihr auch 20 Prozent der Sitze im Bundestag zu.

Was bedeutet die Fünf-Prozent-Klausel ("Sperrklausel")?

Die Fünf-Prozent-Klausel bedeutet, dass nur Parteien in den Bundestag einziehen, die bundesweit mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen erhalten haben. Das Ziel der Regelung ist es, dassnicht allzu viele kleine Parteien in den Bundestag einziehen. Das würde die Bildung einer Regierungskoalition erschweren.
Kritisiert wird die Fünf-Prozent-Klausel (oder Sperrklausel), weil die Stimmen, die für kleinere Parteien abgegeben werden, dadurch nicht gezählt werden. Bei der Bundestagswahl 2013 wählten zum Beispiel rund 2,1 Millionen Wähler/-innen mit ihrer Zweitstimme die FDP (4,8 Prozent), rund 2,1 Millionen Wähler/-innen die AfD (4,7 Prozent) und knapp eine Million Wähler/-innen die Piraten (2,2 Prozent). Weil all diese (und viele andere) Parteien unter der Fünf-Prozent-Hürde blieben, hatten deren Wähler/-innen keinen Einfluss auf die Zusammensetzung des Bundestages. Insgesamt betraf das knapp 16 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Welche Rechtsgrundlagen gelten für die Bundestagswahl?
Der Ablauf der Bundestagswahl ist auf verschiedenen Ebenen geregelt.
  1. Grundsätzliche Prinzipien der Bundestagswahl sind imGrundgesetz (GG) festgelegt: Artikel 38 des Grundgesetzes bestimmt die Grundsätze der Wahl (allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim) und Volljährigkeit als Voraussetzung des aktiven und passiven Wahlrechts. Artikel 39 des Grundgesetzes bestimmt die Dauer der Legislaturperiode, nach der der Bundestag neu gewählt werden muss.
    Quelle: Grundgesetz: Der Bundestag (Artikel 38 bis 49)
  2. Genauere Bestimmungen zu Wahlsystem, Wahlrecht und Wahlablauf findet man im Bundeswahlgesetz. Dort ist beispielsweise festgelegt, wie viele Abgeordnete der Bundestag hat und wie die Stimmen bei der Bundestagswahl in Mandate umgerechnet werden (Paragraphen 1 bis 6). Dort ist auch festgelegt, welche Rolle Bundes-, Landes- und Kreiswahlleiter haben (Paragraphen 8 bis 11). Außerdem finden sich hier detaillierte Bestimmungen zum Wahlrecht und ihrem Verlust (Paragraphen 12 bis 15). 
    Bei einer Reform des Bundestags-Wahlrechts (wie zum Beispiel 2013) wird in der Regel das Bundeswahlgesetz verändert. Die Wahlprinzipien im Grundgesetz bleiben dabei unangetastet. 
    Quelle: Bundeswahlgesetz (auf bpb.de)
  3. Viele Regelungen zur praktischen Durchführung der Wahlen finden sich in der Bundeswahlordnung. Dort finden sich u.a. Vorschriften zum Wählerverzeichnis, zu Briefwahlen und zur Ausstattung der Wahllokale. 
    Quelle: Bundeswahlordnung - 
    http://www.bundestagswahl-bw.de/wahlsystem_btw.html 

Lectura 33 - Elecciones 2017 al Bundestag (1)


1. Wie viele Abgeordnete hat der Bundestag?

Der deutsche Bundestag hat mindestens 598 Abgeordnete. Die Hälfte von ihnen wird in den 299 Bundestags-Wahlkreisen mit den Erststimmen der Wähler/-innen direkt gewählt. Die verbleibenden 299 Abgeordneten werden über die Landeslisten der Parteien bestimmt.
Die tatsächliche Zahl der Bundestagssitze steigt durch die Überhangmandate und Ausgleichsmandate weiter an (Hintergrund:Wahlrechtsreform von 2013). Aktuell (März 2017) liegt die Zahl der Bundestagsabgeordneten bei 630. Nach den Bundestagswahlen am 24. September 2017 könnte sie auf mehr als 700 Abgeordnete ansteigen.

2. Was bedeutet das "freie Mandat" der Abgeordneten?

Die Abgeordneten des deutschen Bundestages sind "Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen" - so heißt es in Artikel 38 des Grundgesetzes. Durch diese Vorgabe soll das freie Mandat der Abgeordneten garantiert werden; Abgeordnete sollen davor geschützt werden, dass bestimmte Interessengruppen, die eigene Partei oder Fraktion versucht, ihr Verhalten (beispielsweise bei Abstimmungen) zu beeinflussen.
Die Garantie des "freien Mandats" steht in einem Spannungsverhältnis zur Erfordernis der Fraktionsdisziplin.In der Praxis ist die Arbeit im Bundestag davon geprägt, dass sich die Abgeordneten (in der Regel der gleichen Partei) in Fraktionen zusammenschließen, um gemeinsam ihre Anliegen zu vertreten und Mehrheiten dafür zu organisieren. Dabei ist es durchaus üblich, dass "die Fraktionsführung oder andere Fraktionsmitglieder Druck auf den einzelnen Abgeordneten [ausüben], um ein einheitliches Abstimmungsverhalten aller Fraktionsmitglieder bei Abstimmungen im Plenum des Deutschen Bundestages oder in seinen Ausschüssen zu erreichen" (Quelle: Bundestag).
Wie lässt sich also das freie Mandat mit der Fraktionsdisziplin vereinbaren? Eine Stellungnahme des Bundestages weist darauf hin, dass die Abgeordneten frei sind in ihrer Entscheidung, sich einer Fraktion anzuschließen und sich deren Regeln zu unterwerfen - oder die Fraktion zu verlassen, wenn sie deren Entscheidungen nicht (mehr) mit ihrem Gewissen vereinbaren können. (In der Geschichte des Bundestages gab es immer wieder Fälle von Abgeordneten, die ihre Fraktion verlassen oder gewechselt haben.)
Andererseits handelt es sich bei der Fraktionsdisziplin um keine rechtliche Vorgabe. Abgeordnete dürfen nicht aus ihrer Partei ausgeschlossen werden, weil sie gegen die Abstimmungsvorgabe verstoßen haben. Allerdings ist es durchaus zulässig (und üblich), dass Abgeordnete, die gegen die Fraktionsdisziplin verstoßen, bei den folgenden Wahlen nicht mehr aufgestellt werden.
Wenn im Bundestag über besonders grundlegende oder sensible Fragen abgestimmt wird – sogenannte"Gewissensentscheidungen" –, wird die Fraktionsdisziplin häufig schon im Vorfeld aufgehoben. Das war beispielsweise der Fall, als der Bundestag 2015 über die Sterbehilfe oder 2011 über Gentests an Embryonen abstimmte.

3. Welche Sonderrechte haben Abgeordnete?

Damit Abgeordnete des Bundestages bei der Ausübung des Mandats ihrem freien Gewissen folgen können, räumt ihnen Paragraph 46 des Grundgesetzes bestimmte Sonderrechte ein:
  • die Indemnität (von "indemnitas", lateinisch für Schadlosigkeit) garantiert Abgeordneten das Recht auf freie Rede im Bundestag. Ein Abgeordneter darf zu keiner Zeit wegen seines Abstimmungsverhaltens oder wegen Äußerungen im Plenum oder in den Ausschüssen gerichtlich verfolgt werden. Die Indemnität gilt nicht im Falle von verleumderischen Beleidungen oder von Äußerungen außerhalb des Bundestages, beispielsweise gegenüber der Presse.
  • die Immunität schützt Bundestagsabgeordnete vor Strafverfolgung. Die Polizei darf nur dann wegen einer mutmaßlichen Straftat ermitteln oder einen Parlamentarier verhaften, wenn der Bundestag dem zustimmt. Eine Ausnahme gilt dann, wenn ein Parlamentarier "auf frischer Tat" ertappt oder einen Tag nach der Tat festgenommen wird. Das Recht auf Indemnität und Immunität reicht in die Zeit zurück, als Parlamentarier/-innen politisch motivierter Strafverfolgung ausgesetzt waren (bsp. im Dritten Reich).
  • das Zeugnisverweigerungsrecht begründet ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Abgeordneten und bsp. Bürger/-innen aus ihrem Wahlkreis, das juristisch mit dem Verhältnis zwischen Anwalt und Mandant vergleichbar ist. Nach Artikel 47 des Grundgesetzes sind Abgeordnete berechtigt, über bestimmte Personen und Tatsachen das Zeugnis zu verweigern; undzwar dann, wenn ihnen bestimmte Sachverhalte in ihrer Eigenschaft als Abgeordneter anvertraut wurden.

4. Wie viel verdienen Abgeordnete?

In Artikel 48 des Grundgesetzes ist festgelegt, dass Abgeordnete des Bundestages einen Anspruch haben auf eine "angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entschädigung". Diese beträgt aktuell9.327 Euro im Monat (Stand: März 2017). Die Abgeordneten müssen auf ihre Bezüge Einkommenssteuer zahlen.
Dass Abgeordnete für ihre Arbeit im Bundestag bezahlt werden, soll sicherstellen, dass nicht nur finanziell abgesicherte Bürger/-innen ein Abgeordnetenmandat übernehmen können. Der Begriff "Diäten" leitet sich vom lateinischen "dies" (der Tag) ab; es handelte sich ursprünglich also um ein Tagegeld.
Den Abgeordneten stehen zusätzlich zur Aufwandsentschädigung weitere Leistungen zu:
  • Aufwandspauschale von 4.318 Euro im Monat: davon müssen Abgeordnete die Kosten für ein Wahlkreisbüro, eine Zweitwohnung in Berlin, Betreuung des Wahlkreises, Bücher, Zeitungen etc. abdecken. Die Aufwandspauschale ist steuerfrei.
  • Reisekosten: wenn ein Abgeordneter in Ausübung seines Mandats reist, dann übernimmt der Bundestag die Reisekosten. Das gilt nicht für private Reisen.
  • Übergangsgeld: Wenn ein Abgeordneter aus dem Bundestag ausscheidet, erhält er ein Überbrückungsgeld. Diese finanzielle Leistung soll die Rückkehr in den früheren Beruf oder einen beruflichen Neuanfang finanziell abfedern. Je länger ein Abgeordneter dem Bundestag angehört hat, umso länger wird auch das Überbrückungsgeld in Höhe der Abgeordnetenentschädigung gezahlt: wenn jemand dem Bundestag eine Legislaturperiode (vier Jahre lang) angehört hat, erhält er vier Monate lang das Überbrückungsgeld in Höhe von aktuell 9.327 Euro monatlich.
  • Altersentschädigung: während der Zeit im Bundestag zahlen Abgeordnete nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Um das zu kompensieren, gibt es für frühere Bundestagsabgeordnete eine Altersentschädigung. Diese wird erst beim Erreichen des Rentenalters ausgezahlt (nicht bereits beim Ausscheiden aus dem Bundestag). Für jedes Jahr, den ein Abgeordneter dem Bundestag angehört hat, gibt es eine Altersentschädigung in Höhe von 2,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung.
    Wenn ein Abgeordneter dem Bundestag also eine Legislaturperiode (vier Jahre) angehört hat, erhält er zehn Prozent der Abgeordnetenentschädigung. Das wären aktuell 933 Euro im Monat.

Mittwoch, 30. August 2017

Lect. 32 - Kaspar, eine Ballade

K. Hauser, de un retrato al pastel ca. 1830


Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=sLy19kqAu9Q (zum lernen zugeschickt von Marta Wehren)

Kaspar - (gesungen von Reinhard Mey)


Sie sagten, er käme von Nürnberg her und er spräche kein Wort.
Auf dem Marktplatz standen sie um ihn her und begafften ihn dort.
Die einen raunten: „Er ist ein Tier“,
Die andern fragten: „Was will der hier?“
Und daß er sich doch zum Teufel scher‘. „So jagt ihn doch fort, – so jagt ihn doch fort!“ –
Sein Haar in Strähnen und wirre, sein Gang war gebeugt.
„Kein Zweifel, dieser Irre ward vom Teufel gezeugt.“
Der Pfarrer reichte ihm einen Krug
Voll Milch, er sog in einem Zug.
„Er trinkt nicht vom Geschirre, den hat die Wölfin gesäugt!“
Mein Vater, der in uns‘rem Orte Schulmeister war,
Trat vor ihn hin, trotz böser Worte rings aus der Schar;
Er sprach zu ihm ganz ruhig, und
Der Stumme öffnete den Mund
Und stammelte die Worte: „Heiße Kaspar“.
Mein Vater brachte ihn ins Haus, „Heiße Kaspar!“
Meine Mutter wusch seine Kleider aus und schnitt ihm das Haar.
Sprechen lehrte mein Vater ihn,
Lesen und schreiben, und es schien,
Was man ihn lehrte, sog er in sich auf – wie gierig er war!
Zur Schule gehörte derzeit noch das Üttinger Feld,
Kaspar und ich pflügten zu zweit, bald war alles bestellt;
Wir hegten, pflegten jeden Keim,
Brachten im Herbst die Ernte ein,
Von den Leuten vermaledeit, von deren Hunden verbellt.
Ein Wintertag, der Schnee lag frisch, es war Januar.
Meine Mutter rief uns: „Kommt zu Tisch, das Essen ist gar!“
Mein Vater sagte: „... Appetit“,
Ich wartete auf Kaspars Schritt,
Mein Vater fragte mürrisch: „Wo bleibt Kaspar?“
Wir suchten, und wir fanden ihn auf dem Pfad bei dem Feld.
Der Neuschnee wehte über ihn, sein Gesicht war entstellt,
Die Augen angstvoll aufgerissen,
Sein Hemd war blutig und zerrissen.
Erstochen hatten sie ihn, dort am Üttinger Feld!
Der Polizeirat aus der Stadt füllte ein Formular.
„Gott nehm‘ ihn hin in seiner Gnad“, sagte der Herr Vikar.
Das Üttinger Feld liegt lang schon brach,
Nur manchmal bell‘n mir noch die Hunde nach,
Dann streu‘ ich ein paar Blumen auf den Pfad, für Kaspar.

https://youtu.be/sLy19kqAu9Q  

Dienstag, 29. August 2017

Lect. 31 - Especular sobre Kaspar Hauser

Esta lectura es versión abreviada de la publicada el 29 de agosto de 2017 en  https://analfa.wordpress.com/  -  Bienvenida la balada que envió Marta Wehren https://www.youtube.com/watch?v=ArnRKhwNOm4 

        
       Kaspar Hauser en un grabado                Pintura atribuida a la mano de K. Hauser


 Das Leben Kaspar Hausers nach seiner Auffindung -                                                                                        fuente : https://onkelmichael.wordpress.com/2015/12/15/kaspar-hauser-aenigma-sui-temporis/comment-page-1/#comment-194

Es war der 26. Mai 1828, der Pfingstmontag jenes Jahres und damit Feiertag, als der Schuhmachermeister Georg Leonhard Weichmann auf dem Unschlittplatz in Nürnberg den etwa 16-jährigen Kaspar Hauser stehen sieht. Diesen Namen kennt er natürlich nicht und auch in der kurzen Unterhaltung, die die beiden führen, taucht er nicht auf. Der Junge gab an, aus Regensburg zu kommen und in die Neue Torstraße zu wollen. Er gab Weichmann einen Brief, der an den Rittmeister der 4. Eskadron im 6. Chevauxlegers-Regiment adressiert war. Der Namen des Offiziers war allerdings nicht vermerkt. Der bekannteste Satz, den der Junge sagte war „A söchtener Reuter möchte ich wern, wie mei Votter aner gwen is“. Weichmann brachte Hauser zur Wohnung von Rittmeister Friedrich von Wessenig, dem Rittmeister, an den der Brief gerichtet war.
Wessenig ließ den Jungen zur Gendarmerie verbringen, wo er befragt wurde. Als Namen schrieb er „Kaspar Hauser“. Zwar war sein Wortschatz sehr eingeschränkt, aber er konnte Gebete aufsagen, etwas lesen und wusste, was Geld ist. Auch die Papiere, die er bei sich trug wurden hier nun genauer gelesen. Im ersten Brief heißt es, dass der Knabe dem unbekannten Schreiber im Oktober 1812 „gelegt“ wurde und der ihm dann aufgezogen habe und ihm auch etwas lesen und schreiben „und das Christentum“ gelehrt habe. Da der Knabe nun ein Reiter werden wollte, habe man ihn weggebracht. Als Adresse trug der Brief die Angabe „Von der Bäierischen Gränz dass Orte ist unbenannt“.
Das zweite Schreiben stammte angeblich von der Mutter des Findlings und darin wurde angegeben, dass der Junge Kaspar heiße und am 30. April 1812 geboren sei. Als Vater wurde ein Chevauxleger des 6. Regiments angegeben, der aber bereits tot sei. Bemerkenswert war daran, dass in dem zweiten Brief der Dialektausdruck „Schwolische“ benutzt wurde, eine Dialekt-Verballhornung von „Chevauxleger“, die in den meisten fränkischen Dialekten nicht verwendet wird. Nach einem Schriftvergleich ging man aber davon aus, dass beide Zettel von derselben Person geschrieben worden waren.
Kaspar Hauser wurde ins Gefängnis „Luginsland“ verbracht, wo der Gefängniswärter Andreas Hiltel sich um ihn kümmerte. Hauser erhielt nun auch Sprach-Unterricht, wobei noch anzumerken ist, dass er seine altbaierische Dialekt-Färbung beibehielt, obschon er sich nun in einer fränkischen Umgebung aufhielt. Auch ärztlich wurde er untersucht, wobei festgehalten wurde, dass seine Muskeln unter- und seine Sinne überentwickelt seien. Auch eine Impfnarbe wurde festgestellt.

Bürgermeister Jakob Friedrich Binder führte viele Gespräche mit Kaspar, die er in einer öffentlichen Bekanntmachung vom 7. Juli 1828 veröffentlichte. Darin wurde erstmals angegeben, dass der Junge bisher in einer sitzenden Stellung in einem fast gänzlich dunklen Raum gelebt habe. Weiter heißt es, dass er während des Schlafes mit Brot und Wasser versorgt worden sei und ihm auch im Schlaf die Haare und Nägel geschnitten wurden. Die nötige Tiefe des Schlafes wurde mit Opium-Gaben erklärt. Anzeichen für einen derartig umfangreichen Opium-Mißbrauch gab es allerdings zu keiner Zeit.

Als Toilette diente ihm ein Gefäß in einer Bodenvertiefung, das ebenfalls während des Schlafes geleert wurde. Sein erster Kontakt mit anderen Menschen sei erst kurz vor seiner Freilassung gewesen. Es sei ein Mann gewesen, dessen Gesicht er nie gesehen habe, der ihm das Schreiben seines Namens und den Satz, dass er ein Reiter werden wolle, beigebracht habe. Den Sinn der Worte habe er aber nie erfasst. Dieser Unbekannte habe ihn auch bis kurz vor Nürnberg gebracht und erst auf dem Weg habe er Stehen und Gehen gelernt.
Um Kaspar Hauser besser betreuen zu können, wurde er am 18. Juli 1828 dem Gymnasialprofessor Georg Friedrich Daumer übergeben, in dessen Haus er seitdem wohnte. Daumer gab Hauser Unterricht, führte mit ihm aber auch esoterisch-homöopathische Experimente durch.
Am 17. Oktober 1829 kam es zu einem ersten Zwischenfall. Gegen Mittag wurde Kaspar Hauser im Keller von Daumers Haus gefunden, eine blutende Schnittwunde an der Stirn. Hauser sagte aus, von einem maskierten Mann auf dem Abtritt überrascht worden zu sein. Dieser Mann habe ihm gedroht, dass er sterben müsse, bevor er Nürnberg verlassen könnte. Laut Hausers Angaben soll der Maskierte derselbe Mann gewesen sein, der ihn nach Nürnberg gebracht habe. Blutspuren zufolge lief Hauser zuerst in den ersten Stock, drehte dann aber um und stieg durch eine Bodenluke in den Keller. Dies tat er, obwohl sich im ersten Stock Menschen aufhielten, die ihm hätten helfen können.
Nach diesem Zwischenfall wurde Kaspar Hauser im Haus der Familie Biberbach einquartiert, um ihn besser schützen zu können. Aus demselben Grund waren nun auch ständig zwei Gendarmen bei Hauser. Aber auch hier kam es zu einem Zwischenfall, denn am 3. April 1830 fiel in seinem Zimmer ein Schuss. Hauser war angeblich auf einen Stuhl gestiegen sein, um ein Buch erreichen zu können. Der Stuhl sei umgefallen und er versuchte, sich an der Pistole festzuhalten, die an der Wand hing, dabei löste sich der Schuss. Hauser wies eine blutende Wunde auf der rechten Seite des Kopfes auf, von der aber fraglich ist, ob sie von dem Schuss stammte.
Danach kam Hauser nun zu seinem eigentlichen Vormund Gottlieb von Tucher. Zu dieser Zeit lernte er auch Philip Henry Earl Stanhope kennen, einen britischen Adligen und Gelehrten, der zahlreiche Reisen auf den europäischen Kontinent und insbesondere in die deutschen Länder unternahm. Zum Zeitpunkt, als er Kaspar Hauser kennen lernte, war er auch Präsident der Medico-Botanical Society of London.
Stanhope zeigte großes Interesse an und große Zuneigung zu Kaspar Hauser und bemühte sich auch darum, seine Pflegschaft zu übernehmen, was ihm 1831 auch gelang. Damit war auch wieder ein Wohnungswechsel verbunden. Auf Vorschlag von Anselm von Feuerbach zog Hauser nach Ansbach, in das Haus des Lehrers Johann Georg Meyer. Feuerbach übernahm auch die Fürsorge für Hauser, wenn Stanhope auf Reisen war. Stanhope erhielt von Feuerbach auch volle Einsicht in die Ermittlungsakten zum Fall Hauser. Er stellte auch hohe Geldbeträge zur Verfügung, um die Herkunft von Kaspar Hauser zu ergründen. Unter anderem stellte er auch Ermittlungen in Ungarn an, da Hauser auf ungarische Worte reagierte, die aber im Sande verliefen und erste Zweifel in Stanhope aufkommen ließen. Der Earl versprach Hauser auch, ihn mit nach England zu nehmen, wozu es aber nie kam. Anfang des Jahres 1832 reiste Stanhope ab, um nie wieder zurück zu kehren. Allerdings übernahm Stanhope auch weiterhin die Kosten für Hausers Lebensunterhalt. Ab Ende 1832 arbeitete er als Schreiber am Appelationsgericht Ansbach, eine Stellung die ihm Anselm von Feuerbach als Präsident des Gerichts verschafft hatte.
Nur knapp ein Jahr später, am 17. Dezember 1833 starb Kaspar Hauser an den Folgen einer Stichwunde, die er drei Tage vorher, am 14. Dezember erlitt. Seiner Darstellung nach war er von einem Unbekannten eingeladen worden, den artesischen Brunnen im Hofgarten zu besichtigen. Dort sei aber niemand gewesen und er sei dann zum Uz-Denkmal gegangen, wo ihn ein Mann mit Bart angesprochen habe. Dieser Mann soll ihm dann einen Beutel gereicht haben und als er seine Hand ausstreckte, habe der Fremde zugestochen. Der Beutel wurde auch gefunden, es war ein lila Damenbeutel, der einen Zettel enthielt, in dem in Spiegelschrift angegeben war, dass Hauser den Mann kenne, dass er „von … der Baierischen Gränze“ komme und seine Initialen M. L. Ö seien.
“…uǝuuöʞ uǝlɥäzɹǝ nɐuǝƃ zuɐƃ ɥɔnǝ sǝ pɹıʍ ɹǝsnɐH„

Die Ärzte konnten allerdings nicht sicher sagen, ob die Wunde, an der Hauser starb, auf ein Verbrechen zurückzuführen sei oder von eigener Hand zugefügt war. Auch das Kreis- und Stadtgericht Ansbach war sich auch nicht sicher, ob es sich um ein Verbrechen handelte. Der bayerische König Ludwig I. setzte jedenfalls eine Belohnung von 10.000 Gulden zur Ergreifung des Täters aus.
Am 20. Dezember 1833 wurde Kaspar Hauser auf dem Stadtfriedhof  in Ansbach begraben. Auf seinem Grabstein steht geschrieben: „Hic jacet Casparus Hauser Aenigma sui temporis ignota nativitas occulta mors“ (Hier liegt Caspar Hauser ein Rätsel seiner Zeit Herkunft unbekannt Tod geheimnisvoll). In der Nähe des angeblichen Tatortes wurde ein Denkmal mit der Inschrift „Hic occultus occulto occisus est“ (Hier wurde ein Geheimnisvoller auf geheimnisvolle Weise getötet“).    
-o-o-
Varios crímenes de ruda o sutil inhumanidad parecen haber sido cometidos contra Kaspar Hauser mucho antes de que, en el mejor de los supuestos, él hubiese logrado convertir en su provecho el interés y la compasión suscitados por su malhadada suerte. Sería extensa e incompleta una lista de publicaciones de toda laya que intentaron dilucidar el extraño caso del que decía ser Kaspar Hauser. Salvo contadas referencias, kalais prefiere omitir la mención expresa de sitios accesibles a una sencilla búsqueda (v.gr. https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfskind#Bekannte_F.C3.A4lle) y destacar aquellos que mejor le ayudaron a proyectarse de modo emocional en ese intenso personaje. Primero colocaría el film Jeder für sich und Gott gegen alle (traducido como El enigma de Kaspar Hauser), película alemana de Werner Herzog (1974). No lo considera entre los mejores de este director, aunque reconoce méritos al ritmo pausado y casi campestre del relato, acorde con las medianas dimensiones de las dos ciudades francas (de Franken o sea Franconia) donde transcurren los episodios. Esa andadura del film da espacio al espectador para intentar la comprensión reconstructiva del extraño huérfano, la dureza de su destino y la dulzura del trato que recibe de niños, mujeres y aun hombres de autoridad. El intérprete  elegido para protagonizarlo queda protegido tras la sigla de su apellido y eso enaltece su desempeño, ya que el rol le exigía una autoexpresión no fingida. Por ahora nos dejan mirar esta peli en Youtube clicando enhttps://www.youtube.com/watch?v=G1gpQI29vLk&t=3s . Vielen Dank !
En segunda fase, daría sitio a ciertas precisiones terminológicas exigidas por la inveterada inclusión de Hauser en divulgados repertorios de casos a primera vista análogos. Aparecieron así el homo feralis incorporado a la nomenclatura taxonómica del ilustre naturalista y biólogo Carl Linnaeus (1707-1778) a propósito de los “niños silvestres” encontrados en Hessen en 1341-1344 y después. Serie que podría comenzar en los tiempos del mito de la loba que encuentra y alimenta a Rómulo y Remo, y prolongarse con casos de criaturas humanas privadas, en sus primeros años, del contacto físico y cultural con congéneres dispensadores de una elemental socialización, o sometidas a confinamiento. Ramas del conocimiento científico, con nuevas denominaciones y métodos investigativos, se han erigido en torno de esos fenómenos, y el propio Kaspar Hauser (inequiparable a un “niño feral”) no dejó de estar sujeto a dichas investigaciones.

Como tercer momento en el estudio de esta enigmática figura vendrían las numerosas hipótesis (calificadas pomposamente de “teorías”) favorables y adversas en el arduo debate acerca de los entretelones de este drama humano. Remitimos a las fuentes y datos citados en  https://onkelmichael.wordpress.com/2015/12/15/kaspar-hauser-aenigma-sui-temporis/comment-page-1  así como en https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspar_Hauser -
kalais - 29.8.2017
...dedicado a Pablo en su cumpleaños...
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